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Kinder brauchen Liebe und keine Hiebe
feuerlibelle, Sa, 8. Dez. 2007, 19:05

Täglich neue Berichte über schwere Kinder-Misshandlungsfälle machen mich betroffen, traurig und irrsinnig wütend ! Wütend, weil alle wegschauen; konkrete Hinweise werden ignoriert oder nicht ernst genommen, - und am Ende, wenn es schon zu spät ist, wäscht sich jeder seine Hände in Unschuld - allen voran das Jugendamt .
Wie können sich nur erwachsene Menschen an wehrlosen kleinen Kindern vergreifen, sie peinigen, sie foltern, sie umbringen, sie aus dem Fenster werfen, sie aus der Wohnung werfen ? Ist das etwa die neue, moderne Kinder-Wegwerfgesellschaft ?
Wahrscheinlich aus aktuellem Anlass findet derzeit eine Meinungsumfrage statt-
das Thema lautet: Sind die Eltern heutzutage überfordert?
Dazu meine Meinung als Alleinerzieherin: Kinder sind kein Lustprodukt und auch kein Wegwerfartikel. Kinder zu bekommen muss überlegt und gewollt sein; es verändert das Leben der Mutter und auch des Vaters grundlegend. Auf persönliche Befindlichkeiten kann man keine Rücksicht mehr nehmen. Es ist nichts mehr so, wie es früher, ohne Kind war. Und Kinder zu erziehen ist eine wichtige und verantwortungsvolle Lebensaufgabe.
Nocheinmal, eine Lebensaufgabe! Eine wunderschöne Lebensaufgabe.
Den Eltern von heute fehlt das Bewußtsein der Lebensaufgabe und die damit verbundene Wertigkeit der Nestwärme innerhalb der Familie. Überfordert sind wir alle, aber das ist noch lange kein Grund, eigene Kinder zu misshandeln oder zu töten.
Edit:
Edit: Bei Interesse -hier gibt es was zum lesen
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Brief an das Christkind
feuerlibelle, Do, 6. Dez. 2007, 01:59
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Adventbräuche
feuerlibelle, Mi, 5. Dez. 2007, 13:03
Barbarazweige / Kirschbaumzweige

Am 4.Dezember, dem Gedenktag der Heiligen Barbara werden die Kirschbaumzweige geschnitten und in warmes Wasser gestellt. So macht man es auf dem Land; in der Stadt kann man Barbarazweige auf den Bauernmärkten schon ab Mitte November kaufen.
Ich kenne diesen Brauch in folgenden Überlieferungen: 1) es werden kleine Namenskärtchen an die Kirschenzweige gehängt und derjenige, dessen Name auf dem zuerst blühenden Ast hängt, wird im kommenden Jahr heiraten. 2) Wenn die Knospen am Heiligenabend aufgehen/blühen, dann werden für die Familienmitglieder viele Wünsche in Erfüllung gehen. Bleiben die Knospen geschlossen/verkümmert, wird das kommende Jahr nichts Besonderes zu bieten haben.

Am 4.Dezember, dem Gedenktag der Heiligen Barbara werden die Kirschbaumzweige geschnitten und in warmes Wasser gestellt. So macht man es auf dem Land; in der Stadt kann man Barbarazweige auf den Bauernmärkten schon ab Mitte November kaufen.
Ich kenne diesen Brauch in folgenden Überlieferungen: 1) es werden kleine Namenskärtchen an die Kirschenzweige gehängt und derjenige, dessen Name auf dem zuerst blühenden Ast hängt, wird im kommenden Jahr heiraten. 2) Wenn die Knospen am Heiligenabend aufgehen/blühen, dann werden für die Familienmitglieder viele Wünsche in Erfüllung gehen. Bleiben die Knospen geschlossen/verkümmert, wird das kommende Jahr nichts Besonderes zu bieten haben.
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UEFA EURO 2008 WIEN
feuerlibelle, Mo, 3. Dez. 2007, 21:05
.... das klingt sehr bedrohlich nach Massenhysterie, nach Ruhestörung, nach Krawallen, nach sehr sehr viel Polizei und, nach Beeinträchtigung der Lebensqualität. Meine Güte - das kann noch heiter werden! Und die Auslosung Österreich-Deutschland ist beinahe eine Strafverschärfung. Das Jammern hat eh schon voll eingesetzt ...
Also, nichts wie weg! Raus aus der Stadt ! Spätestens ab 8.Juni 2008 ist ein zweiwöchiger Wanderurlaub angesagt. Wohin weiß ich noch nicht - es gibt da nämlich noch ein kleines Problem: ich muss zuerst meinen Buben überreden. Ob mir das gelingt ?
Edit: 04/12/07
Fußballspiel ist für mich ein rotes Tuch extra Klasse; trotzdem oder vielleicht gerade deshalb habe ich (aus Aktualitätsgründen) die Entstehung des Fußballs als globale Sportart und die Geschichte der Fußballregeln 1848 bis 2006 nachgelesen. So ein bisschen Hintergrundinformation kann nicht schaden - zum Beispiel auch, dass Österreich mit der Einführung einer Profi-Liga im Jahr 1924 der erste kontinentaleuropäische Staat mit einer Liga für Berufsfußballspieler war.
Also, nichts wie weg! Raus aus der Stadt ! Spätestens ab 8.Juni 2008 ist ein zweiwöchiger Wanderurlaub angesagt. Wohin weiß ich noch nicht - es gibt da nämlich noch ein kleines Problem: ich muss zuerst meinen Buben überreden. Ob mir das gelingt ?
Edit: 04/12/07
Fußballspiel ist für mich ein rotes Tuch extra Klasse; trotzdem oder vielleicht gerade deshalb habe ich (aus Aktualitätsgründen) die Entstehung des Fußballs als globale Sportart und die Geschichte der Fußballregeln 1848 bis 2006 nachgelesen. So ein bisschen Hintergrundinformation kann nicht schaden - zum Beispiel auch, dass Österreich mit der Einführung einer Profi-Liga im Jahr 1924 der erste kontinentaleuropäische Staat mit einer Liga für Berufsfußballspieler war.
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feuerlibelle, Mo, 3. Dez. 2007, 01:13

... und Ihnen allen wünsche ich
eine stille und besinnliche Adventzeit.
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Ohne Grenzkontrolle
feuerlibelle, Fr, 30. Nov. 2007, 23:57
Heute war wieder die Schüttinsel-Auslandsreise angesagt und zugleich die erste Ausfahrt auf der neuen Autobahn A6 nach Kittsee. Trotz Schlechtwetter war es ein vergnügliches Fahren auf der verkürzten Strecke. Ich bin ganz begeistert und möchte die Zeiten des dahinzockelns-durch-zig-ortschaften hinter-den-fernlastern schnell vergessen. Die Autobahn führt direkt zum Grenzübergang ; bei der Ausreise ist auf der österreichischen Seite keine Grenzkontrolle mehr. Die Slowaken kontrollieren schon, aber unterschiedlich und zwar je nach dem; - wenn es sehr kalt ist oder es regnet, bleiben sie in ihrem Container sitzen und winken gelangweilt ab. Normalerweise fahren wir zu zweit (mein Bube und ich) und die Reisepässe werden durchs Fenster gereicht. Kein Schwein schaut nach, ob die "Reisepässe" auch wirklich den Personen zugeordnet sind. Bei dem zweiten Reisepass in der Hülle könnte auch der Terminkalender drin stecken, das fällt niemandem auf. So könnte auch der größte Schwerverbrecher oder ein was-weiß-ich Terrorist durchgeschleust werden. Ich darf gar nicht weiter denken. Bei der Rückreise - also bei der Einreise nach Österreich ist es wieder umgekehrt: die slowakische Seite ist verwaist und die Österreicher kontrollieren so gewissenhaft, dass es staut. Auf die paar Minuten kommt es am Ende nicht mehr an, aber es ist ein Gefühl der Sicherheit da. Welche Sicherheit weiß auch nicht genau, es ist eine Art Beruhigung. Die GrenzBilder , die ich gemacht habe, gehören ab 22.12.2007 -mit Verschiebung der Schengengrenze, der Vergangenheit an.

das ist die österreichische Seite Grenzübergang Kittsee.

der slowakische Grenzübergang Bratislava Jarovce erinnert stark an sozialistische Monumentalbauten
Übrigens, Bratislava oder auch PRESSBURG, ist eine interessante Stadt mit viel Sehenswürdigkeiten. Die Adventmärkte in der Altstadt sind wunderschön - eben noch adventmäßig, besinnlich.

das ist die österreichische Seite Grenzübergang Kittsee.

der slowakische Grenzübergang Bratislava Jarovce erinnert stark an sozialistische Monumentalbauten
Übrigens, Bratislava oder auch PRESSBURG, ist eine interessante Stadt mit viel Sehenswürdigkeiten. Die Adventmärkte in der Altstadt sind wunderschön - eben noch adventmäßig, besinnlich.
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John F. Kennedy
feuerlibelle, Do, 22. Nov. 2007, 10:00
Er war der Hoffnungsträger meiner Generation für eine bessere Zukunft.
Der Idealist ohne Illusionen bleibt für immer mein Idol. Ohne wenn und aber.
Heute vor 44 Jahren wurde JFK in Dallas sinnlos ermordet.
... In stillem Gedenken

(29.Mai 1917 - 22.November 1963)
"Das 21.Jahrhundert könnte unser Jahrhundert sein, wenn wir uns ihm mit der Kraft, der Entschlossenheit, der Weisheit, dem Vertrauen und dem Enthusiasmus stellen, die John F.Kennedy 1960 nach Amerika brachte". (US-Präsident Bill Clinton , 28.10.1993/Boston)
Der Idealist ohne Illusionen bleibt für immer mein Idol. Ohne wenn und aber.
Heute vor 44 Jahren wurde JFK in Dallas sinnlos ermordet.
... In stillem Gedenken

(29.Mai 1917 - 22.November 1963)
"Das 21.Jahrhundert könnte unser Jahrhundert sein, wenn wir uns ihm mit der Kraft, der Entschlossenheit, der Weisheit, dem Vertrauen und dem Enthusiasmus stellen, die John F.Kennedy 1960 nach Amerika brachte". (US-Präsident Bill Clinton , 28.10.1993/Boston)
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Eiertanz -
feuerlibelle, Di, 20. Nov. 2007, 16:00
Das Protokoll der Eigentümerversammlung vom 16.Oktober 07 ist ein nichts sagendes dürres Blatt Papier und eignet sich bestenfalls für den Mistkübel. Soviel Stuss hab ich schon lang nicht gelesen - Der Verwalter glaubt ernsthaft, dass er uns mit G'schichtln und Halbwahrheiten abspeisen kann . Nur, diesmal wird das nicht gehen. Wir legen gegen das Protokoll Einspruch ein und werden, wenn nötig , den Verwalter dazu anhalten, Fakten wie "versteckte Baumängel" und "versäumte Termine zur Gewährleistung" nachträglich ins Protokoll einzufügen. Das ist halt der große Nachteil, wenn der Bauträger anschließend auch die Verwaltung der Liegenschaft übernimmt. Und wenn ich überlege, dass wir für den Mist, den uns die Verwaltung liefert auch ein saftiges Verwaltungshonorar zahlen müssen, dann könnt ich zum Amokläufer werden. Mühsam.
Edit:
Es ist schwer zu sagen, wieviele Personen bei der Erstellung des Protokolls mitgewirkt haben. Meiner Meinung nach waren es mehrere, und gebrütet haben sie auch einen ganzen Monat lang, bis sie die heiklen Passagen durch Gefasel entschärft haben. Na, so ein Eiertanz.
Edit:
Es ist schwer zu sagen, wieviele Personen bei der Erstellung des Protokolls mitgewirkt haben. Meiner Meinung nach waren es mehrere, und gebrütet haben sie auch einen ganzen Monat lang, bis sie die heiklen Passagen durch Gefasel entschärft haben. Na, so ein Eiertanz.
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WinterWeiß
feuerlibelle, Fr, 16. Nov. 2007, 08:34
Guten Morgen!




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Fremde Hilfe II
feuerlibelle, Mi, 14. Nov. 2007, 23:34
* * * * Das Leben der Frau Spatz * * * *
Ort der Handlung: Das ehrenwerte Gelbe Ementalerhaus in Wien Süd. Ein buntes Narrenschiff mit 160 Fenstern und achtzig exaltierten Individualisten. Darunter befanden sich Regierungsräte, ein Hofrat, mehrere Schlosser und Installateure, drei Topmanager, drei Ärzte, eine Friseurin, mehrere Beamten, ein Steinmetz, drei Lehrer, zwei Juristen, zwei Bänker, ein Organist, zwei Schneiderinnen, ein Kullissenschieber, zwei Huren, einige Freiberufler und Möchtegernhausundgroßgrundbesitzer, drei Krankenschwestern, einige Witwen, meine Wenigkeit sowie ein Dutzend zurückgezogen lebenden Mitbewohner unter anderem auch Frau Spatz mit ihrem Sohn.
Das Zusammenleben unter einem Dach war, wie in anderen Wohnhäusern auch, von ständigen Streitereien geprägt. Trotzdem, es haben sich alle redlich bemüht, einander mit Respekt zu begegnen. Die Begegnung hat sich reduziert auf ein "Guten Morgen" im Aufzug respektive auf ein "Grüß Gott" auf der Straße. Der einzige Kommunikationsort war die Waschküche im Keller. Frau Spatz hat immer donnerstags vormittag gewaschen. Ihr Waschgut hat sie schon am Vorabend in einer stinkigen Seifenlauge eingeweicht, sodaß der Kellergang und der Stiegenaufgang von einem widerlichen Gestank befallen war. Sie hat ohne Waschpulver gewaschen, weil ihr das Geld dafür fehlte. Keiner mehr wollte hinter ihr waschen. Sie wurde mit Vorurteilen abgestempelt, in die Ecke gedrängt und kaum beachtet.
Frau Spatz ist bei den Hausbewohnern in Ungnade gefallen. Sie hat verzweifelt Kontakt gesucht, wurde aber stets abgewiesen. Leider. - Sie war weder schön noch attraktiv, und auch nicht sonderlich gepflegt, ihre Kleidung schmuddelig, ihr Gesamtaussehen eher verwahrlost. Es hat jeder einen großen Bogen um sie gemacht . Was aber keiner wußte; - Frau Spatz war hochintelligent und sehr belesen.
Herr Giftzwerg und Herr Wadlbeißer haben sich mächtig aufgeregt, weil Frau Spatz in der Kirche musizieren wollte. Die Herren haben ihr unmißverständlich nahegelegt , den Herrn Pfarrer nicht mehr zu belästigen. Herr Hofrat, der sich auch gern in jedes Gespräch einbringt, wohnt auf der selben Stiege wie Frau Spatz. Er macht sich große Sorgen. Worüber? ...
An einem Novembertag im Jahr 2001 begegne ich Frau Spatz auf der Straße und sie erzählt mir eine Stunde lang ihre traurige Lebensgeschichte. Ich habe ihr geduldig zugehört. Sie hat geweint, bitterlich geweint. Sie flehte mich um Hilfe an, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Da fiel mir der Herr Regierungsrat ein, der könnte doch durch seine Kontakte etwas unternehmen ...., könnte?
Nein, es ist unmöglich, dass ich die Geschichte von Frau Spatz dem Herrn Regierungsrat 1:1 wiedergebe. Er wird das nicht verstehen. Außerdem die Ungnade wurde nicht aufgehoben, da wird niemand etwas für sie tun. Also gut, wenn es so ist, nehme ich die Sache selbst in die Hand und ich werd schon die Leute dazu bewegen, dass sie mittun. Huch, ich hab mich schon wieder auf etwas eingelassen. Dann ist mir der Satz eingefallen: "Helfen ist keine Gnade. Gnade ist vielmehr helfen zu können."
Frau Spatz hat selbstlos einen Verein zur Förderung der musisch sozialen Projekte für geistig schwer behinderte Kinder und Erwachsene gegründet. Ihr gesamtes Privatvermögen hat sie für dieses Projekt aufgebraucht und nun ist sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Es ist nichts da, sie ist pleite. Da muss doch geholfen werden!
Jeder freiwillige Akteur im Haus hat eine Aufgabe bekommen, diese nach Checklisten abgearbeitet und es hat alles bestens funktioniert. Spendenaufruf im Haus, Termin für einen Adventflohmarkt, Kekse backen, Punsch kochen, Tischtennisraum und Kellerkatakomben zum Gemeinschaftsraum umgestalten und, und ......
Ja, und dann war es soweit:
An diesem Abend war Hilfsbereitschaft keine Frage des Könnens sondern eine Frage des Wollens und auch bei relativ niedriger Beteiligung haben wir eine beachtliche Summe **) von ATS 6.930,- (€ 503,-) zusammengebracht. Wir haben ein menschliches Zeichen gesetzt und diesen Abend Frau Spatz ihrem Verein gewidmet, für den auch ein Tropfen auf den heißen Stein Sinn macht. Es ist an der Zeit für ein betrachtendes Innehalten für die vielen bemitleidenswerten und von der Gesellschaft ins Abseits gedrängten schwerbehinderten Mitmenschen, die an FREMDE HILFE angewiesen sind.
**) in der damaligen Zeit, kurz vor der Euro-Umstellung, war das sehr viel Geld.
Frau Spatz wurde bei der vom Sozialminister initiierten Aktion "Österreichs freiwillige Helfer 2001" als Siegerin in ihrer Kategorie (musisch soziale Projekte) geehrt. Für ihren Verein bekam sie keine öffentliche Unterstützung. Von "Licht ins Dunkel" auch nicht! Also statt konkreter Hilferleistung nur viel Bewunderung, Lippenbekenntnisse und ein warmer Händedruck.
Ich bin aus dem ehrenwerten Gelben Ementalerhaus im Jahr 2003 ausgezogen. Doch Frau Spatz ruft mich noch immer dreimal im Jahr an und berichtet über ihre Aktivitäten. Sie weint mir nach, sagt sie. Als ihr am 20.September 2006 das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien überreicht wurde, und ich als Auserwählte offiziell vom Bürgermeister zum Festakt eingeladen war, konnt ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten.
Das ist meine wahre Geschichte zum besinnlichen Advent.
Ort der Handlung: Das ehrenwerte Gelbe Ementalerhaus in Wien Süd. Ein buntes Narrenschiff mit 160 Fenstern und achtzig exaltierten Individualisten. Darunter befanden sich Regierungsräte, ein Hofrat, mehrere Schlosser und Installateure, drei Topmanager, drei Ärzte, eine Friseurin, mehrere Beamten, ein Steinmetz, drei Lehrer, zwei Juristen, zwei Bänker, ein Organist, zwei Schneiderinnen, ein Kullissenschieber, zwei Huren, einige Freiberufler und Möchtegernhausundgroßgrundbesitzer, drei Krankenschwestern, einige Witwen, meine Wenigkeit sowie ein Dutzend zurückgezogen lebenden Mitbewohner unter anderem auch Frau Spatz mit ihrem Sohn.
Das Zusammenleben unter einem Dach war, wie in anderen Wohnhäusern auch, von ständigen Streitereien geprägt. Trotzdem, es haben sich alle redlich bemüht, einander mit Respekt zu begegnen. Die Begegnung hat sich reduziert auf ein "Guten Morgen" im Aufzug respektive auf ein "Grüß Gott" auf der Straße. Der einzige Kommunikationsort war die Waschküche im Keller. Frau Spatz hat immer donnerstags vormittag gewaschen. Ihr Waschgut hat sie schon am Vorabend in einer stinkigen Seifenlauge eingeweicht, sodaß der Kellergang und der Stiegenaufgang von einem widerlichen Gestank befallen war. Sie hat ohne Waschpulver gewaschen, weil ihr das Geld dafür fehlte. Keiner mehr wollte hinter ihr waschen. Sie wurde mit Vorurteilen abgestempelt, in die Ecke gedrängt und kaum beachtet.
Frau Spatz ist bei den Hausbewohnern in Ungnade gefallen. Sie hat verzweifelt Kontakt gesucht, wurde aber stets abgewiesen. Leider. - Sie war weder schön noch attraktiv, und auch nicht sonderlich gepflegt, ihre Kleidung schmuddelig, ihr Gesamtaussehen eher verwahrlost. Es hat jeder einen großen Bogen um sie gemacht . Was aber keiner wußte; - Frau Spatz war hochintelligent und sehr belesen.
Herr Giftzwerg und Herr Wadlbeißer haben sich mächtig aufgeregt, weil Frau Spatz in der Kirche musizieren wollte. Die Herren haben ihr unmißverständlich nahegelegt , den Herrn Pfarrer nicht mehr zu belästigen. Herr Hofrat, der sich auch gern in jedes Gespräch einbringt, wohnt auf der selben Stiege wie Frau Spatz. Er macht sich große Sorgen. Worüber? ...
An einem Novembertag im Jahr 2001 begegne ich Frau Spatz auf der Straße und sie erzählt mir eine Stunde lang ihre traurige Lebensgeschichte. Ich habe ihr geduldig zugehört. Sie hat geweint, bitterlich geweint. Sie flehte mich um Hilfe an, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Da fiel mir der Herr Regierungsrat ein, der könnte doch durch seine Kontakte etwas unternehmen ...., könnte?
Nein, es ist unmöglich, dass ich die Geschichte von Frau Spatz dem Herrn Regierungsrat 1:1 wiedergebe. Er wird das nicht verstehen. Außerdem die Ungnade wurde nicht aufgehoben, da wird niemand etwas für sie tun. Also gut, wenn es so ist, nehme ich die Sache selbst in die Hand und ich werd schon die Leute dazu bewegen, dass sie mittun. Huch, ich hab mich schon wieder auf etwas eingelassen. Dann ist mir der Satz eingefallen: "Helfen ist keine Gnade. Gnade ist vielmehr helfen zu können."
Frau Spatz hat selbstlos einen Verein zur Förderung der musisch sozialen Projekte für geistig schwer behinderte Kinder und Erwachsene gegründet. Ihr gesamtes Privatvermögen hat sie für dieses Projekt aufgebraucht und nun ist sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Es ist nichts da, sie ist pleite. Da muss doch geholfen werden!
Jeder freiwillige Akteur im Haus hat eine Aufgabe bekommen, diese nach Checklisten abgearbeitet und es hat alles bestens funktioniert. Spendenaufruf im Haus, Termin für einen Adventflohmarkt, Kekse backen, Punsch kochen, Tischtennisraum und Kellerkatakomben zum Gemeinschaftsraum umgestalten und, und ......
Ja, und dann war es soweit:
An diesem Abend war Hilfsbereitschaft keine Frage des Könnens sondern eine Frage des Wollens und auch bei relativ niedriger Beteiligung haben wir eine beachtliche Summe **) von ATS 6.930,- (€ 503,-) zusammengebracht. Wir haben ein menschliches Zeichen gesetzt und diesen Abend Frau Spatz ihrem Verein gewidmet, für den auch ein Tropfen auf den heißen Stein Sinn macht. Es ist an der Zeit für ein betrachtendes Innehalten für die vielen bemitleidenswerten und von der Gesellschaft ins Abseits gedrängten schwerbehinderten Mitmenschen, die an FREMDE HILFE angewiesen sind.
**) in der damaligen Zeit, kurz vor der Euro-Umstellung, war das sehr viel Geld.
Frau Spatz wurde bei der vom Sozialminister initiierten Aktion "Österreichs freiwillige Helfer 2001" als Siegerin in ihrer Kategorie (musisch soziale Projekte) geehrt. Für ihren Verein bekam sie keine öffentliche Unterstützung. Von "Licht ins Dunkel" auch nicht! Also statt konkreter Hilferleistung nur viel Bewunderung, Lippenbekenntnisse und ein warmer Händedruck.
Ich bin aus dem ehrenwerten Gelben Ementalerhaus im Jahr 2003 ausgezogen. Doch Frau Spatz ruft mich noch immer dreimal im Jahr an und berichtet über ihre Aktivitäten. Sie weint mir nach, sagt sie. Als ihr am 20.September 2006 das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien überreicht wurde, und ich als Auserwählte offiziell vom Bürgermeister zum Festakt eingeladen war, konnt ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten.
Das ist meine wahre Geschichte zum besinnlichen Advent.
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