l e b e n s w e i s e
... wie unbedeutsam alles geworden ist
feuerlibelle, Mi, 9. Feb. 2011, 23:48
seit fünf tagen mache ich nichts anderes als die nicht-enden-wollenden papierberge und dokumente aus einem zeitraum von 140 jahren zu sichten, auseinanderzuhalten, großteils auch zu lesen und alle zehn minuten hände zu waschen, weil meine haut auf den hundertjährigen staub ziemlich beleidigt reagiert….

die friederike war eine außergewöhnliche frau, sie hat sich mit ihren büchern (schätzungsweise an die 5000 Stück) und ihrer beruflichen vergangenheit eine eigene welt gebastelt in der sie versucht hat den tod ihres einzigen sohnes zu verarbeiten….



in den letzten tagen habe ich über sie und ihre lebens- und leidenswege viele traurige einzelheiten in erfahrung gebracht und heute ist mir so manches klar geworden, warum sie immer quasi ein schutzschild vor sich gehalten hat.
morgen ist das begräbnis und am montag wird alles was sie zu lebzeiten zusammengetragen und gehortet hat, entsorgt –,
… furchtbar, wie unbedeutsam alles geworden ist

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feuerlibelle, Do, 10. Feb. 2011, 22:46
ihr sollt nicht um mich weinen.
ich habe ja gelebt.
der kreis hat sich geschlossen,
der zur vollendung strebt.




glaubt nicht, wenn ich gestorben,
dass wir uns ferne sind.
es grüßt euch meine seele
als hauch im sommerwind.




und legt der hauch des tages
am abend sich zur ruh',
send' ich als stern vom himmel
auch meine grüße zu.

hans kreiner


Gestern ist unser alter Nachbar verstorben, und genau das gleiche Schicksal werden seine gehorteten und inzwischen veralteten technischen Gerätschaften erleiden - was sollen Frau und einzige Tochter damit anfangen?
Ja, liebe Feuerlibelle, angesichts des Endes wird wirklich vieles sehr unwichtig...
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kinomu, Fr, 11. Feb. 2011, 16:53
warum wird alles entsorgt? war das ihr wunsch?

sie hat keine nachkommen, nur eine 89-jährige schwester, die ähnlich veranlagt ist (horten und sammeln - egal obs jemand braucht oder nicht) und sie -die schwester, will nichts aus der wohnung der verstorbenen. wertvolle oder verwertbare sachen hat die verstorbene schon zu lebzeiten an alle möglichen nachbarn verschenkt. geblieben sind unzählige bücher und ein vorzimmer voll englische taschenkrimis. und die genossenschaftswohnung muss besenrein zurückgegeben werden. falls sie jemanden wissen, der alte bücher haben möchte, lassen sie mich per mail wissen. wenn nicht für den eingenbedarf, so für den flohmarkt sicher noch brauchbar.....
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